Iliescu, alte und neue Hooligans

Postat la: 10.06.2010 00:00 Ultima actualizare: 21.06.2010 10:47

Iliescu, alte und neue Hooligans

Ion Iliescu hat gestern erneut ein Buch präsentiert: "20 Jahre danach - 1989, Wendejahr der nationalen Geschichte und des internationalen Lebens"

Wenn ich seine Intoleranz gegenüber frivoler Schwindeleien nicht kennen würde, hätte ich meinen können, Ion Iliescu hätte selbst drei laute Hooligans bezahlt, um beim Bookfest für Aufmerksamkeit zu sorgen. Ebenso, wie viele der Stars hierzulande einen Paparazzi bezahlen, um ihren Rating zu steigen. Nichts ist interessanter und spannender für die Rumänen, wenn es um PR geht, als Krawall zu verschiedenen Anlässen. Ion Iliescu war in letzter Zeit sehr oft Mittelpunkt solcher Krawalle. An seinem Geburtstag, vor dem Eingang seiner Arbeitsstelle, oder bei verschiedenen Buchpräsentationen, wie jene vom Bookfest oder anderswo. Überall tauchen verwirrte und etwas fade "Hooligans" auf und wollen Iliescu ins Gefängnis schicken.

Iliescu meint, die "frechen Jungs" werden manipuliert. Kann sein. Oder auch nicht. Vielleicht haben sie sich vorgenommen, die Erinnerung an die Toten der Revolution wach zu halten und den Staub von der fast vergessenen "Hooliganiade" (von 1990) weg zu wischen. Vielleicht wollen sie Berühmtheit erlangen und nutzen dafür den ehemaligen Präsidenten und seine politischen Fehler. Alles ist möglich.

Das Problem ist eigentlich die Art und Weise wie sie protestieren, kämpfen und demonstrieren. Sie sind dem was sie verlangen total entgegengesetzt. Sie sind laut und kleinlich zugleich. Ihre gehetzten Proteste hinterlassen den Eindruck von mangelnder Vorbereitung und Manipulation.

Iliescus "Hooligans", jene vom Jahr 1990, waren eine soziale Macht, ein frühzeitiges und daher nicht vollständig durchgeführtes Phänomen, das vom wiederbelebten Geheimdienst vernichtet wurde. Dieser Geheimdienst ist in verschiedenen (Uni)Formen, Latzhosen und anderen Kleidungsstücken wiederbelebt worden, den Kleidern die später in den orangen Revolutionen getragen wurden.

Heute, "20 Jahre danach", hat man keine Glaubwürdigkeit, wenn man Ion Iliescu bei Tisch, im Bett, oder bei einem Kaffe verfolgt, um eine Kerze für ihn anzuzünden, ihn zu beschimpfen, oder auf ihn zu fluchen. Iliescu ist keine Zielscheibe mehr. Seine Beziehung zur Politik ist fast beendet. Die alten "Hooligans", die unter dem ehemaligen Präsidenten entstanden und anerkannt worden sind, haben verlangt, dass Iliescu von der Macht entfernt wird, gemäß dem 8. Artikel der Proklamation aus Timişoara. Der Artikel lautet wie der Refrain eines bekannten rumänischen Liedes: "Besser Hooligan, als Kommunist / Besser tot, als Aktivist", so die Hymne von Paţurcă. Außerdem hat die Justiz, so gut oder schlecht, wie sie ist, jedoch souverän in diesem Rechtsstaat, die Schuld für die Revolution schon verteilt.

Folglich haben die "Neuen Hooligans" keine direkte Verbindung zu den alten "Hooligans" und können unmöglich die nächste Generation "Hooligans" sein. Mehr noch, sie könnten die Symbolistik eines beachtlichen Phänomens aus den Zeiten des Zusammenbruchs des Kommunismus in Mittel- und Osteuropa ins Lächerliche ziehen.

Ich weiß nicht, ob der Autor Iliescu in seinem Buch etwas über das Phänomen des Universitätsplatzes, der "Hooligans" oder "Hooliganiade" erwähnt, aber was ich aus der ganzen Geschichte verstanden habe ist, dass ein auf ungerechte Weise gesagtes Wort dich ein lebenslang, in unterschiedlichen Formen, verfolgen kann.

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