Rafa, das Böse und das Bessere

Postat la: 02.07.2010 14:11 Ultima actualizare: 02.07.2010 14:12

Rafa, das Böse und das Bessere

"Raus!" schreit der Linienrichter. Nadal, gerade am schlagen, schickt den Ball mit dem Backhand entlang der Linie und dieser bleibt im Netz hängen. Soderling verlangt Eagleeye. Der Computer zeigt wie der Ball von der Linie abprallt. Punkt für Soderling entscheidet der Schiedsrichter Pascal Maria. Überrascht geht Nadal zu diesem: "Aber ich habe den Ball getroffen. ..". Pascal Maria will die Entscheidung nicht ändern. Nadal wiederholt mit der Stimme eines zu unrecht vom Lehrer bestraften Jungen: "Ich habe den Ball getroffen...". Er schaut zur Tribüne: Onkel Toni, ruhig, macht ihm ein Zeichen: "Vamos, Rafa. Du besiegst ihn auch so".
Es bleibt Vorteil für Soderling, Breakpoint. Nadal hackt nicht weiter nach, skizziert keine Geste und geht abschlagen. Er braucht ein paar Sekunden mehr, wobei im Gesichtsausdruck des ungerecht behandelten Jungen jetzt auch ein wenig Verachtung erscheint. Es folgen drei Punkte während denen Rafa eine Rafale an explosiven Bällen in Soderlings Feld losschießt, wobei er mit festgebissenen Zähnen, bei jedem Ball aufs Ganze geht. Der nordische Hüne ist überrascht. Spiel für Nadal, 3-0, nach 3-6, und Rafas Sprung, der mit geballter Faust einen Augenblick in der Luft, ein Meter über dem Rasen schwebt.

"Es war ein schwerwiegender Fehler des Schiedsrichters" sagte Nadal nachdem er Sonderling in vier Sets besiegte. Er hat recht. Laut Regelung, wenn ein Linienrichter "Out" schreit und seine Entscheidung von ihm selber, vom Schiedsrichter oder vom Computer (in diesem Fall) verbessert wird, dann darf der Schiedsrichter entscheiden, dass der Punkt vom Neuen gespielt wird (was Nadal verlangt hatte), wenn einer oder beide Spieler vom Schrei "Out" gestört wurden, oder aber der Punkt geht an denjenigen der die Linie getroffen hat. Nadal erklärte ihm mit Recht, dass er den Ball schlug gerade als der Linienrichter schrie und dass er davon gestört den Ball ins Netz geschlagen hatte. Andrerseits konnte Pascal Maria nicht mehr zurück, den die Regel sagt, dass der Schiedsrichter auf Antrag eines Spielers seine Entscheidung nicht ändern darf.

"Aber jeder kann fehlen, für einen Schiedsrichter ist es nicht leicht die richtige Entscheidung zu treffen" fügte Nadal ohne nachtragend zu sein, aber ohne die Situation zu minimieren hinzu. "Es war ein wichtiger Augenblick, hätte ich den Satz verloren, hätte ich den Fehler des Schiedsrichters nicht vergessen können..."

Etwas jenseits von Tennis überraschte mich an Nadals Haltung, was genau merkte ich erst nach dem Spiel. Unzählige mal in den letzten 20 Jahren seit ich schreibe und öffentlich auftrete, wurde ich beleidigt und ungerecht beschuldigt. Zu oft habe ich denjenigen mit gleicher Münze geantwortet, meine Nerven aufreibend um zu beweisen, dass ich Recht habe. Was aber grundsätzlich Falsch ist, wie mir der 24 jährige Knirps Rafa Nadal zeigte. Anstatt sich mit dem Schiedsrichter anzulegen, wählte er die beste Antwort der Welt: "Wenn wir den Punkt nicht wieder spielen dürfen, dann werde ich ihn gewinnen. Und nicht nur diesen, sondern alle Punkte die du mir nicht anerkennen willst werde ich zwei mal gewinnen, weil ich doppelt so gut spielen werde." Gesagt getan.

Wir vergeuden Unmengen an Energie damit jeder von uns seine Wahrheit durchsetzt. Warum muss ich denen die mir sagen, dass ich schlecht schreibe sagen dass, sie nichts wissen, dass sie Kanlien, Ingenieure, Iliescu- oder Basescuanhänger sind, das sie an Sifilis leiden, dass sie Securisten oder KGB-isten sind? Sowieso sind Leute die derartige Aussagen machen immun gegenüber jeder rationellen Erklärung. Die einzige gültige Antwort ist, dass ich versuche besser zu schreiben. Mit einem immer besseren Text auf jeden Angriff antworten.

Der Fernseher ist voll, jetzt in dieser schwierigen Situation die wir gerade durchstehen, von Individuen die sich jeden Tag bemühen zu beweisen, dass nur sie Recht haben und dass die Anderen die bösen sind. Und es geht da nicht nur um Journalisten, sondern auch um Leute in Leitungsfunktionen. Wie würde die Lage sein, wenn, anstatt zu versuchen zu beweisen, dass sie ihre Arbeit gut tun im Augenblick wo man ihnen sagt, dass das nicht der Fall ist, sie versuchen würden diese noch besser zu machen?

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