Wann der Rumäne den Leu ohrfeigt

Postat la: 29.06.2010 15:25 Ultima actualizare: 29.06.2010 15:26

Wann der Rumäne den Leu ohrfeigt

Geängstigt über einen möglichen massiven Fall des Leu's, haben sich die Rumänen am Montag an den Tresen der Banken und der Wechselstuben gedrängt, um Euro zu kaufen. Das Resultat war ihren Erwartungen zum Abfall des Leu entsprechend - ja insbesondere aus diesem Grund: die hohe Nachfrage für den Leu hat den schlechtesten offiziellen Wechselkurs der Geschichte herbei gerufen. Das Drama des Montags hat wenig mit den Aussagen des BNR-Offiziellen zu tun, bezüglich eines Wechselkurses von 6 Lei zu einem Euro oder mit der Tatsache, dass diese Aussage in Nachhinein dessen Kontext entzogen wurde.

Das wahre Problem ist, dass die Rumänen am Ende ihrer Nerven und Kräfte gekommen sind und nun verpflichtet sind, beim kleinsten Stimulus zu überreagieren. Die Nerven der Rumänen sind auf Höchste gedehnt, und zwar vom Chaos, welches vom gesamten politischen Medium generiert wurde. Rumänien hat einen Finanzminister, der über sich selbst enttäuscht ist, einen Premier der, was immer er auch tun möge, ein einfaches Opfer zu sein scheint und einen Präsidenten, der sich die Hände wäscht mit der Mannschaft deren Kapitän er nur zu guten Zeiten ist.

Anfang 2009, als jedermann in Krise war, nur Rumänien nicht, als die Regierung sich entschuldigte, weil sie die Gehälter der Professoren nicht um 50% steigen konnte, lehnte der Präsident Rumäniens, stolz, jedwelche Hilfe von Seiten des IWF ab.

Nach weniger als zwei Monaten wurde das 20-Milliarden-Euro-Darlehen übernommen, welches wir ab dem nächsten Jahr bezahlen werden. Anfang 2009 wurde den Rumänen gesagt, dass es mit einer 2%-igen Wirtschaftssteigung im BIP schwer sein wird. Nun sehen wir, dass eine schwere 7%-ige Rezession ansteht, mit Tausenden von Konkursen und Hundert Tausenden Kündigungen. Den Unternehmern wurde Mitte im Sturm eine unerhoffte Hilfe versprochen. Die Regierung hat ihnen die Mindeststeuer geschenkt, mit der Reinigung des Schiffes motivierend. Beginn 2010 sprach man über eine 1%-ige Steigung des BIP. Nur wenige Wochen danach war man bereits wieder in der Rezession. Den Rumänen wurde ein schlanker Staat versprochen, ohne Chauffeurgehälter von 1.000 Euro im Monat. Die Kündigungen im Staatswesen machen nicht einmal 5% des Gesamtbetrags aus. Während die Privaten bereits Gehaltkürzungen und Kündigungen durchgeführt hatten, um sich den neuen Bedingungen, der Krise, anpassen zu können, hat der Staat auch jetzt, nach anderthalb Jahren, keine Analyse woraus hervorgeht, wo und wer gekündigt wird.

Der Tropfen, der den Becher gefüllt, aber noch nicht überfüllt hat, war die Erhöhung der Mehrwertsteuer. Die Rumänen scheren sich nicht um den Entschluss des Verfassungsgerichts: "wenn die Regierung wirklich so klug ist, hätte sie das vorausschauen können". Ich hatte jedes Mal einen Schauer, als Berceanu und Udrea, mit seligen Gesichter, im Fernsehen erklärten, dass kein Geld für Straßen oder für Häuser da war - weil dadurch der Eindruck entstand, dass dafür die Steuern erhöht werden müssen. Ich hatte einen Schauer auch als die Regierung zugab, die Wirtschaft nicht zum Neustart bringen zu können, nicht weil sie sich das vorgenommen hätte, sondern, wie der Präsident Rumäniens es einmal zugab, weil der Neustart die Erhöhung der Steuern mitbringen könnte.

Als man die Erhöhung der MwSt ansagte konnte sich keiner mehr zurück halten. Das einzige Versprechen der Regierung, welche noch stand, bezog sich auf die Beibehaltung der "großen" Steuern und Abgaben auf dem gleichen Niveau wie vor der Krise. Es genügte, dass eine halbe Information bezüglich eines möglichen 6-Lei-Wechselkurs zum Euro, die sich derjenigen der MwSt-Erhöhung gesellte, die von der Regierung als letztmögliche Option vorgestellt wurde, die nur im Extremfall benützt sein würde, und schon waren die Rumänen bei den Tresen, um die Lei loszuwerden.

Wenn die Politik die montägige Warnung der Normalbürger und der Investoren mit überrumpelten Budgets nicht ernsthaft wahrnehmen wird, dann wird es eine große Überraschung haben.

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